Das unerlaubte Entfernen vom Unfallort, landläufig Unfallflucht genannt, ist kein Kavaliersdelikt, sondern strafbar.

Beim Rangieren und Rückwärtsfahren, an Engstellen, bei Wendemanövern und am häufigsten beim Ein- und Ausparken kann es zu einer Schädigung eines anderen Fahrzeuges kommen. Ein Schaden im Rechtssinn liegt dabei bei einer mehr als nur geringfügigen Beschädigung vor; die untere Grenze wird schon bei 50,00 € gezogen. Diese ist schnell erreicht, z. B. durch einen Kratzer im Lack. Tückisch sind die modernen Stossfänger. Nach der Kollision verformen sie sich in ihre ursprüngliche Form zurück. Der Schaden liegt darunter und ist von außen nicht erkennbar. Oftmals liegen die Reparaturkosten
bei weit über 500,00 €.

Die „Ausrede“, man habe das Unfallereignis nicht bemerkt, hilft nur in den seltensten Fällen weiter. Zwar setzt eine Verurteilung voraus, dass der Beschuldigte den Unfall bemerkt hatte. Die gegenteilige Einlassung lässt sich oft durch Anhörung von Unfallzeugen und Einholung von Gutachten eines Sachverständigen widerlegen. Dieser wertet die eingetretenen Schäden, sowie die Angaben der Zeugen aus und zieht daraus seine Schlüsse, inwieweit der Unfall optisch, akustisch und taktil wahrgenommen werden konnte. Dies ist dann die Grundlage für das Urteil des Strafrichters.

Auch die Entschuldigung, man habe den Schaden als nur gering eingeschätzt oder keinen Schaden feststellen können, ist zumeist zu widerlegen. Abzugrenzen ist der Schaden, wie er sich zum Zeitpunkt des Unfallgeschehens – objektiv – abgezeichnet hat, daneben wie sich – subjektiv – die Vorstellung des beschuldigten Unfallbeteiligten selbst über den Umfang des von ihm angerichteten Fremdschadens darstellte.

Häufig wird die Frage gestellt, wie lange man am Unfallort verbleiben muss, wenn der Geschädigte nicht anwesend ist. Dies lässt sich nicht pauschal beantworten. Maßgeblich sind die Umstände des Einzelfalls. Grundsätzlich ist der Verursacher gesetzlich verpflichtet, am Unfallort zu bleiben, bis die Personalien und die Art seiner Unfallbeteiligung festgestellt ist. Tagsüber auf einem belebten Parkplatz ist die Wartefrist deutlich länger als mitten in der Nacht auf einer unbelebten Landstraße. Nach Ablauf der Wartefrist darf sich der Unfallverursacher von der Unfallstelle entfernen. Hat sich der Verursacher somit in erlaubter Weise von der Unfallstelle entfernt, muss er dann jedoch die erforderlichen Feststellungen unverzüglich nachholen. Zwingend ist es jedoch nicht, sich bei der Polizei zu melden. Geht der Unfall beispielsweise mit Alkohol einher, ist es geschickter, den Vorfall direkt dem Geschädigten anzuzeigen, soweit dies möglich ist.

Bitte bedenken Sie: Unwissenheit schützt nicht vor Strafe!

Nachfolgend gebe ich Ihnen den Gesetzestext zur Kenntnis:

§ 142 StGB Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort
(1) Ein Unfallbeteiligter, der sich nach einem Unfall im Straßenverkehr vom Unfallort entfernt, bevor er
1. zugunsten der anderen Unfallbeteiligten und der Geschädigten die Feststellung seiner Person, seines Fahrzeugs und der Art seiner Beteiligung durch seine Anwesenheit und durch die Angabe, dass er an dem Unfall beteiligt ist, ermöglicht hat oder
2. eine nach den Umständen angemessene Zeit gewartet hat, ohne dass jemand bereit war, die Feststellungen zu treffen,
wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Nach Absatz 1 wird auch ein Unfallbeteiligter bestraft, der sich
1. nach Ablauf der Wartefrist (Absatz 1 Nr. 2) oder
2. berechtigt oder entschuldigt
vom Unfallort entfernt hat und die Feststellungen nicht unverzüglich nachträglich ermöglicht.
(3) Der Verpflichtung, die Feststellungen nachträglich zu ermöglichen, genügt der Unfallbeteiligte, wenn er den Berechtigten (Absatz 1 Nr. 1) oder einer nahe gelegenen Polizeidienststelle mitteilt, dass er an dem Unfall beteiligt gewesen ist, und wenn er seine Anschrift, seinen Aufenthalt sowie das Kennzeichen und den Standort seines Fahrzeugs angibt und dieses zu unverzüglichen Feststellungen für eine ihm zumutbare Zeit zur Verfügung hält. Dies gilt nicht, wenn er durch sein Verhalten die Feststellungen absichtlich vereitelt.
(4) Das Gericht mildert in den Fällen der Absätze 1 und 2 die Strafe (§ 49 Abs. 1) oder kann von Strafe nach diesen Vorschriften absehen, wenn der Unfallbeteiligte innerhalb von vierundzwanzig Stunden nach einem Unfall außerhalb des fließenden Verkehrs, der ausschließlich nicht bedeutenden Sachschaden zur Folge hat, freiwillig die Feststellungen nachträglich ermöglicht (Absatz 3).
(5) Unfallbeteiligter ist jeder, dessen Verhalten nach den Umständen zur Verursachung des Unfalls beigetragen haben kann.

Natürlich ist ein Unfall unangenehm und passt zumeist nicht in die Tagesplanung. Aber die Folgen, die Sie erwarten, wenn Sie sich unerlaubt vom Unfallort entfernt haben, sind gravierend:
Das Vergehen gem. § 142 StGB wird üblicherweise mit einer Geldstrafe von etwa einem Monatseinkommen bestraft, die weiteren (Neben-) Folgen hängen von der Höhe des verursachten Schadens ab: bei einem Schaden von 50,00 bis 1.499,00 € wird üblicherweise ein Fahrverbot von 1 bis 3 Monaten verhängt, bei einem Schaden von mehr als 1.500,00 € kommt es zum Fahrerlaubnisentzug. Dies bedeutet, dass Sie für mindestens sechs Monate kein Fahrzeug führen dürfen und zudem nach Ablauf der vom Gericht ausgesprochenen Sperrfrist den Führerschein neu beantragen müssen.
Zusätzlich zu den ausgesprochenen Strafen werden 7 Punkte im Verkehrszentralregister eingetragen, die für fünf Jahre bestehen bleiben.
Erschwerend kommt hinzu, dass Ihre Kraftfahrzeughaftpflichtversicherung Sie bis zur Höhe von 5.000,00 € in Regress nehmen wird. Daneben verbleibt es bei der unvermeidlichen Höherstufung, auch wenn der von der Versicherung regulierte Schaden sich unterhalb der Regressgrenze hält.
Da § 142 StGB ein Vorsatzdelikt ist, werden die Kosten des Verfahrens im Fall einer Verurteilung nicht von der Rechtschutzversicherung getragen.

Sollten Sie dennoch in die unglückliche Lage gekommen sein, dass ein unerlaubtes Entfernen vom Unfallort im Raume steht, muss noch nicht alles verloren sein. Wichtig ist nun die weitere Vorgehensweise.
Vermutlich werden Sie zunächst Besuch von Polizeibeamten erhalten, die versuchen werden, das Fahrzeug und insbesondere der Fahrer zum Vorfallzeitpunkt zu ermitteln. Folglich empfehle ich, jeglichen Kontakt mit der Polizei zu meiden. Sollte dies nicht möglich sein, machen Sie bitte jedenfalls keine Angaben zur Sache, dies auch nicht beiläufig neben der „offiziellen” Befragung durch die Beamten. Lassen Sie sich am besten auf überhaupt kein Gespräch ein! Erfahrungsgemäß gibt der Betroffene bei geschickter Befragung die eine oder andere interessante Information preis, die sich im weiteren Verlauf nachteilig auswirken kann. Auch die in Ihrem Familienverband lebenden Personen, denen ein Zeugnisverweigerungsrecht zusteht, sollten sich hüten, sich auf Gespräche mit den Beamten einzulassen.

Auch zu einem späteren Zeitpunkt kann noch eingeschritten werden. Sollte Ihnen ein Strafbefehl zugestellt werden, ist hiergegen binnen einer Frist von 2 Wochen Einspruch einzulegen. Die Einspruchsfrist beginnt an dem Tage, an dem das Schriftstück in Ihrer Wohnung oder in Ihren Geschäftsräumen Ihnen oder einem Dritten übergeben wird.
Es gibt daneben noch folgende Besonderheit: Gelangt Ihnen der Strafbefehl - beispielsweise weil Sie von einer Reise zurückkommen - erst verspätet in die Hände, dann kann, obwohl die Einspruchsfrist abgelaufen ist, Wiedereinsetzung in den vorigen Stand beantragt werden. Gerne helfe ich Ihnen weiter. Falls Ihre Zeit knapp bemessen ist, kann Ihr Mandat auch bequem über unser Online-Formular an uns herangetragen werden.

Dr. Michaela Weiß
Rechtsanwältin
Fachanwältin für Verkehrsrecht
Fachanwältin für Versicherungsrecht

Kanzlei Erlangen

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