Enthält der Vertrag die Regelung, dass der Architekt für nachweisbare Mehraufwendungen eine zusätzliche Vergütung erhalten soll, setzt der Anspruch nicht voraus, dass die Aufwendungen das Gesamthonorar übersteigen. Der Architekt kann eine Vergütung für sämtliche Aufwendungen verlangen, die er ohne die Bauzeitverzögerung nicht gehabt hätte; infolge der Bauzeitverzögerung ersparte Aufwendungen sind dabei in Abzug zu bringen. Erhöhte Anforderungen an die Darlegung der Aufwendungen bestehen nur, wenn der Auftraggeber zu diesen schon detailliert vorgetragen hat (BGH, Urteil vom 10.05.2007 - VII ZR 288/05).

Der BGH stellt in dieser Entscheidung zur Anspruchshöhe als auch zur Darlegungslast folgendes fest: der Architekt kann eine Zusatzvergütung für die Aufwendungen verlangen, die ihm nachweisbar nur aufgrund der Bauzeitverzögerung entstanden sind. Dabei genügt der Architekt den prozessualen Anforderungen, wenn er - ohne ein qualifiziertes Bestreiten des Auftraggebers - zum Umfang der infolge der Bauzeitverzögerung erforderlichen Leistungen (Personal- und Sacheinsatz) und den dadurch entstandenen Kosten sowie gegebenenfalls - etwa bei nennenswerten Stillstandszeiten - zu ersparten Aufwendungen vorträgt.

Im Ergebnis wird die Entscheidung des BGH die Durchsetzung von Ansprüchen des Architekten wegen Bauzeitverzögerung deutlich erleichtern. Für Klauseln, die auf den Mehraufwand bzw. Mehrkosten abstellen, ist nun geklärt, wie die Zusatzvergütung zu ermitteln ist: Weder durch eine Differenzbildung zwischen Gesamtaufwand und Vertragshonorar oder zwischen kalkuliertem und tatsächlichem Aufwand noch nach der HOAI, sondern nach einer isolierten Betrachtung des tatsächlich infolge der Bauzeitverzögerung zusätzlich entstandenen Einsatzes und der damit verbundenen Kosten einerseits und der eingetretenen ersparten Aufwendungen andererseits.

Thomas Gutwin
Rechtsanwalt
Fachanwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht

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