Die Europäische Erbrechtsverordnung legt fest, welches nationale Erbrecht auf einen Erbfall mit EU-Bezug anzuwenden ist. Bisher unterliegt die Rechtsnachfolge von Todes wegen nach deutschem Recht dem Recht des Staates, dem der Erblasser zum Zeitpunkt seines Todes angehörte.

Hatte ein in Spanien lebender Deutscher neben seinem deutschen Bankvermögen auch eine Finca in Spanien, kam es zur Nachlassspaltung durch die Anwendung unterschiedlicher Erbrechte bei ein und dem selben Erbfall.

Die Europäische Erbrechtsverordnung enthält nunmehr folgende Regelungen:

1. Es gilt stets das Erbrecht des Staates, in dem der Erblasser seinen letzten gewöhnlichen Aufenthalt hatte.

Damit gilt für alle EU-Ausländer, die im Todesfall dauernd in Deutschland gelebt haben, künftig deutsches Erbrecht, gleichgültig welche Staatsangehörigkeit sie besitzen, für alle im EU-Ausland lebenden Deutschen gilt nicht mehr das deutsche Erbrecht, sondern das des Aufenthaltsortes.

2. Durch Testament oder Erbvertrag kann der Erblasser das Erbrecht des Staates wählen, dessen Staatsangehöriger er ist.

Nunmehr kann z. B. ein Italiener, der in Deutschland lebt, festlegen, dass er nach italienischem Recht beerbt werden möchte. Abweichend vom sonst anwendbaren italienischen Erbrecht kann er allerdings nicht etwa spanisches Recht hinsichtlich seines in Spanien befindlichen Vermögens wählen.

Der gewöhnliche Aufenthalt im Sinne der Erbrechtsverordnung befindet sich dort, wo der Erblasser sich unter Umständen aufhält, die erkennen lassen, dass er an diesem Ort oder in diesem Gebiet nicht nur vorübergehend verweilt.

Durch die mögliche Rechtswahl hat es jeder künftig in der Hand, das anzuwendende Erbrecht durch Wahl Ihres Aufenthaltsortes gezielt zu beeinflussen. So ist gerade das Pflichtteilsrecht der Kinder, aber auch das Erbrecht der Ehefrau in den anderen EU-Ländern sehr unterschiedlich geregelt.

Es ist deshalb sinnvoll, dass sich jeder, der seinen Nachlass regeln möchte, schon heute mit der eigenen Nachlassplanung beschäftigt und qualifizierte Beratung in Anspruch nimmt, auch wenn die EU-Erbrechtsverordnung erst für Erbfälle ab dem 17.08.2015 Geltung findet.

Dr. Reinhard Glimm
Rechtsanwalt
Fachanwalt für Erbrecht
Fachanwalt für Arbeitsrecht

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